Sommer  - Zeit der Düfte

Würden wir ohne zu sehen und dafür mit offener Nase durch unsere Umgebung spazieren, wäre es durchaus möglich, die Jahreszeiten zu erschnuppern.
Der Mai lässt sich in Gegenden, in denen Bärlauch wächst, unverwechselbar erkennen. Die Blätter des bis dahin nicht riechenden Bärlauchs beginnen sich zurückzubilden und der typische Knoblauchduft wird freigesetzt. Im Wald macht danach der Waldmeister weiter. Auch er verströmt seinen unvergleichlichen Duft erst, wenn die Blätter absterben oder welk werden. Beim Pflücken von Trieben für die berühmte Maibowle stellt sich immer die Frage, wie das denn funktionieren soll mit dem Aroma, bisher riecht man doch nichts. Erst durchs Anwelken oder noch besser durchs Eingefrieren kommt der Geruch zustande.
Ab Mitte Mai (je nach Region) beginnt dann der Holunder zu blühen. Hier sind es nun die Blüten, die stark duften. Sie locken damit Insekten an und führen somit eine Bestäubung herbei, deren Resultat die schwarzroten Holunderbeeren im Herbst sind. Im Garten beginnen etwas später die ersten Rosen zu blühen. Je nach Sorte verströmen sie entweder keinen oder aber einen sehr wohlgefälligen Duft. Wachsen unterschiedliche Duftrosen im Garten, ergeben sie ein Potpourri aus verschiedenen Rosenaromen. Die duftenden Rosenblüten lassen sich gut trocknen und in der kargen Winterzeit kann mit ihnen die Sonne und Wärme des Frühsommers hergezaubert werden.
Ab Mitte Juni werden die Blumenwiesen gemäht und von dort geht der typische Heublumenduft aus. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein unscheinbares Gras mit dem Namen „Ruchgras“. Der Duft entfaltet sich ebenso wie beim Waldmeister erst, wenn die Pflanze geschnitten ist und sie trocknet. In grünem Zustand riecht es eher unangenehm. Für die Pflanze gibt es den Merksatz: „oben hui und unten pfui“.
Das Ende des Junis wird mit dem süßen, beinahe schon aufdringlichen Duft des Ligusters eingeläutet. Die Sträucher sind neben dem Duft auch am Geräusch zu erkennen, da sie zu dieser Zeit, in der nicht mehr viele andere Pflanzen blühen, von zahlreichen Insekten angeflogen werden. Wie beim Holunder ergibt das Resultat der Bestäubung schwarze Beeren, die für die Menschen ungenießbar, für die Vögel und andere Tiere jedoch eine wichtige Nahrung sind.
Bei einem Spaziergang letzter Woche lagen öfters Duftwolken mit süßlichem Aroma in der Luft. Als erstes kam der Gedanke auf, dass dies Liguster ist. Die Suche nach den Pflanzen blieb aber erfolglos. Die einzigen weißblühenden Sträucher waren Holunderbüsche. Der Weg führte durch eine große Fläche blühenden Gierschs und nach der Erkenntnis, dass es keinen Liguster in der Umgebung gibt, fiel die Aufmerksamkeit auf den Giersch. Beim Riechen an den Blüten wurde klar, woher der süße Duft kam. Die vielen Gierschblüten verströmten dieses honigsüße Aroma. Dies war eine völlig neue Erkenntnis zu dieser doch wohlbekannten Pflanze. Da der Giersch sich mit seinen Ausläufern keine Sorge um die Vermehrung machen braucht, verströmt er den süßen Duft vielleicht als Entschädigung für sein dominantes Wachstum an Stellen im Garten, wo wir ihn nicht unbedingt wollen.

 

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